Rezension: Gottfried, der Turborabe. Ennos allerbester Freund

Finja Skadi Volbracht , Christoph Fromm – Gottfried, der Turborabe. Ennos gefährliche Reise

  • Verlag: Primero Verlag
  • Seitenzahl: 80
  • Teil einer Reihe?:Ja, es ist der zweite Band. Der erste Teil heißt: „Gottfried, der Turborabe. Enos gefährliche Reise
  • Inhalt: Gottfried ist ein ganz besonderer Rabe denn er hat einen Turbodüsenmotor. Gemeinsam mit dem Flüchtlingskind Enno macht er sich auf die Suche nach dessen Familie…
  • Rezension:  Ich habe vor zwei Jahren bereits den ersten Teil gelesen, von daher wusste ich in etwa was mich erwartet.Trotzdem war ich sehr neugierig auf dieses Buch, denn ich wollte gern wissen, wie es mit Enno weitergeht und ob er seine Familie endlich findet. Inzwischen habe ich selbst beruflich Kontakt zu Kinder von Geflüchteten gehabt und war daher noch „kritischer“, was den Umgang mit diesem wirklich schwierigen Thema „Flucht“ anbetrifft. Und leider muss ich wie auch schon beim ersten Teil sagen, dass  mir das Buch zwar gut gefällt, ich aber trotzdem nicht komplett überzeugt bin.
    Die Handlung an sich ist zwar kindgemäß, behandelt aber für mich das Thema nicht ausreichende genug. Auch das Ende finde ich nicht so gelungen. Außerdem ist sie sehr ausführlich – vielleicht sogar etwas zu lang und teilweise „überflüssig“, ich hätte mir da eher ein anderes Ende gewünscht. Vielleicht hätte man den Text an manchen Stellen auch einfach kürzen können ohne das die Handlung darunter leidet. Trotzdem macht es Kindern sicher Spaß diese Geschichte zu hören und sie regt auch ganz sicher dazu an, mit Kindern über das Thema Flucht ins Gespräch zu kommen. Auch die Illustrationen sind meiner Meinung nach wirklich sehr gelungen. Schade finde ich nur, dass der Text wirklich sehr im Vordergrund steht und nicht immer zu den Bildern passt (manchmal ist es im eine Seite verzögert). Auch hätte es mir persönlich besser gefallen, wenn der farbliche Hintergrund einheitlich gewählt worden wäre und nicht ständig wechseln würde.

    Trotzdem ist auch dieses Buch wirklich zu empfehlen. Ich habe bisher wenige Kinderbücher gefunden, die sich mit dem Thema Flucht auseinander setzen und ich glaube, dass es „nicht betoffenen“ Kindern helfen kann sich etwas besser in diese Kinder hinein zu versetzen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch mit Flüchtlingskindern lesen würde, zum einen ist es sprachlich für diese wahrscheinlich viel zu schwer und zum anderen möchte ich mit meinem Unterricht keine Wunden wieder aufreissen. Andererseits haben die Kinder natürlich auch Gesprächsbedarf. Man muss sich nur bewusst sein, dass man da sicher einges auffangen müsste und das ich das als Lehrkraft nicht leisten kann und dass es andere Kinder „schockieren“ kann.
  • Bewertung: 

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Rezension: Boat People

Hans Christoph Buch – Boat People. Literatur als Gesellschaft

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  • Verlag: Frankfurter Verlagsgesellschaft
  • Seitenzahl: 122
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Hans Christoph Buch hat sich für eine Politikvorlesung an der Universität Bern auf die Suche nach „Boat People“ in der Literaturgeschichte gemacht. Dieser in den 70er Jahren aus dem amerikanischen Sprachgebrauch übernommene Begriff bezeichnet ursprünglich aus ihrem Heimatland geflohene Menschen, auf Grund von Verfolgung, Krieg, wirtschaftlicher Not, die in völlig ungeeigneten und überbeladenen Booten auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen vor Europas Küsten stranden. In Buchs Essay wird das Motiv des Totenschiffs mit dem Schicksal heutiger Flüchtlinge verglichen, denen in den verschiedenen Häfen die Landung verwehrt wird. Schon immer spiegeln die Kunst und Literatur das Elend der Vertriebenen, der Heimatlosen, der zwischen den Seltenen ruhelos Umherirrenden, der Schiffbrüchigen das Scheitern der Hoffnung auf eine menschliche Zukunft. Von Sindbad zu Wilhelm Hanf über Heinrich Heine und Richard Wagner bis zu Thomas Mann und Franz Kafka verfolgt Buch das Motiv des Geisterschiff weiter zu Traven, H.M. Enzensberger über Peter Weiß zu Günther Grass.
  • Rezension:  Das Buch ist in sechs abgeschlossene Vorlesungen eingeteilt, angereichert mit Abbildungen verschiedener Werket, die in den Vorlesungen Erwähnung finden. Vorbemerkungen und ein Epilog runden den Band ab. Wen das Motiv der „unendlichen Reise“ fasziniert, kommt beim Lesen der Kapitel voll auf seine Kosten. Wie bei Literaturvorlesungen üblich, werden die Thesen und Behauptungen mit Zitaten belegt, Querverbindungen und Verästelungen werden aufgezeigt und  machen Lust, einige Klassiker mal wieder im Original zu lesen. Buchs Vorlesungen sind spannend, detailreich und äußerst informativ, man muss sich zwischen den einzelnen Kapitel Zeit zum „Nachschmecken“ lassen. Wer gerne einen roten Faden zu einem bestimmten Thema in der Literatur – hier das Geisterschiff – vorgeführt bekommt, für de ist dieser Band genau richtig.Vielen Dank an die Frankfurter Verlagsgesellschaft, der mir dieses Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
  • Bewertung: 5 Sterne

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