Zorro

Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

Rezension: Status

Patricia Staniek – Status. So verschaffen Sie sich Ansehen, Gehör und Respekt

  • Verlag: Goldegg
  • Seitenzahl: 241
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Wie der Untertitel des Buches verrät, versucht die Autorin das Phänomen „Status“ so zu beleuchten, dass jeder die  Gesetzmäßigkeiten von Status als gesellschaftlicher  Position versus Statusverhalten  verstehen kann. Anhand vieler Beispiele aus ihrem Umfeld, etwas schulmäßig, kleinschrittig gegliedert, schildert und erklärt sie viele Aspekte des Themas. Am Ende des Buches gibt es einen Anhang mit Gastbeiträgen- u.a. von ihrem Ehemann-,  Literaturempfehlungen ,  social-Media Kommentare und leider auch seitenfüllende Werbung für bereits erschienene Bücher der Autorin und Empfehlungen für ihre Coachingseminare.
  • Rezension: Um es vorwegzunehmen: Das Buch fängt peinlich an, endet peinlich und hat dazwischen wenig zu bieten: Allgemeinplätze und nicht ohne (ausbleibende) Anleitung umzusetzende Ratschläge. Immer wieder betont Patricia Staniek ihre Tätigkeit als Profiler, Kriminologin, Wirtschaftscoach und Unternehmensberaterin. Zur Belobigung der eigenen Person  wird noch das Vorwort einer Kommunikationsexpertin vorangestellt, die die Autorin als exzellente  Beobachterin von Körpersprache, Mimik  und menschlichem Verhalten ausweist und ihr attestiert, den  Status einer angesehenen Profilerin und eines erfolgreichen Coaches innezuhaben. Später wird noch die Bühnenerfahrung als Sängerin  bei einer anerkannten Band  erwähnt, das ist fast unerträglich. Auch der Ehemann wird noch zur indirekten Belobigung herangezogen, indem seine Antwort auf ihre Frage, was sie wirklich gut könne, wörtlich zitiert wird:“ Du kannst super reden, ich kenne niemanden, der so viele Worte in einer Minute unterbringt, die gut klingen und du kannst Menschen was beibringen, du hast die Gabe, Komplexes und Schwieriges einfach zu vermitteln und die Menschen folgen dir. Irgendwie tun die automatisch immer das, was du willst.“ Klingt mehr nach Manipulation als nach Anleitung zum selbständigen Handeln.
    Fazit: Es gibt einige interessante Informationen über erarbeiteten und hineingeborenen Status und über das Statusverhalten, auch Statusspiel genannt, das immer da ist und die Art und Weise, wie jemand interagiert, bezeichnet. Es ist aber etwas dürftig, wenn man erfährt, dass Herbert seinen äußeren Tiefstatus dem inneren Hochstatus  dadurch angepasst hat, dass er sich seinen Zopf abgeschnitten hat und sein Holzfällerhemd gegen ein dezenteres Designeroutfit getauscht hat, Wie ist es dazu gekommen? Wie hat er plötzlich geschafft, glaubwürdig zu sein und Selbstbewusstsein zur Schau zu tragen, nachdem er sich ein Leben lang hinter seinem Markenzeichen Zopf versteckt hat? Dazu erfährt der Leser nur Allgemeinplätze: Wer kein Selbstbewusstsein hat ,kann daran arbeiten und es entwickeln. Aha, so einfach ist das also. Zusammen mit der Empfehlung: Bleiben Sie entspannt, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, trainieren Sie, einen kühlen Kopf zu behalten, wirkt das alles nicht sehr professionell, wie soll das gehen? Darüber schweigt das Buch leider.
    Trotzdem: Es gibt Anstöße, wie man sich seiner Wirkung bewusster wird, wie man seinen Status, so man ihn erkannt hat, gezielt und situationsabhängig einsetzen kann und somit schneller erwünschte soziale Ziele erreicht und zu einem besseren Verständnis der eigenen Person kommt.
  • Bewertung:

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/status/

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Rezension: Schau gut auf dich

Ursula Neubauer, Dr. med. Tobias Conrad – Schau gut auf dich.  Wie dich Selbstfürsorge gesund und stark mach

  • Verlag: Goldegg
  • Seitenzahl: 165
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt und Rezension: Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Selbstliebe- das sind die Schlagworte, wenn es darum geht, ein Leben erfüllt und mit Freude zu leben. Innere physische Stärke, Klarheit und Ruhe- das sind die Versprechungen, die die Autoren von  „Schau gut auf dich“ dem Leser machen. Dazu entwickeln sie ein Programm unter den Schlagworten: Happy Tun, Happy Sagen, Happy Denken, welche in der Entdeckung der persönlichen Maxime: Happy Ethik gipfeln.
    Lebensfreude und Wertschätzung sich selbst gegenüber sind Grundbedingungen für ein gesundes Leben und sind nach  Meinung der Autoren dadurch zu erreichen, dass man sich persönliche Regeln mit eigenen  Handlungsanweisungen festlegt. Ethisch sein bedeutet für die Autoren, sich selbst und anderen gegenüber so zu handeln, wie es den eigenen erkannten und festgelegten Werten entspricht. Die ersten drei Kapitel beschäftigen sich mit folgenden Schwerpunkten:
    „ Tun“- was kann dein aktives Tun dazu beitragen, dass es dir gut geht, also tu nur, war dir gut tut.!
    „Sagen“- wie redest du eigentlich mit dir?
    „Denken“- wer willst du sein und was willst du denken?
    Ausführlich wird der Leser an eine Meditationstechnik- gekoppelt mit Entspannungsübungen –herangeführt, und konkret und kleinschrittig werden Anweisungen gegeben, wie eine Innenschau und Rückbesinnung gelingen kann. Jedes Kapitel endet in einer “Happy Ethik Verordnung“ für die jeweilige gewünschte Veränderung und der Aufforderung, diese zu notieren. Das letzte, vierte Kapitel liefert  auf zwei Seiten noch einmal eine Zusammenfassung der drei vorangegangenen Kapitel: Worum ging es bei „Tun“, „Sagen“ und „Denken“. Die letzte Seite bietet einen Festlegungsvertrag, den der Leser mit sich selber abschließt, zeitlich limitiert und verbindlich unterschreibt, in dem er seinen persönlichen kategorischen Imperativ formulieren soll.
    Für totale Neueinsteiger der Selbsterkenntnis und des Veränderungswunsches ist das Buch bestimmt hilfreich und anregend. Von Vorteil ist die klare Gliederung- jedes Kapitel ist gleich aufgebaut, wenn auch mit anderem Schwerpunkt und ermöglicht so, die Lektüre zu unterbrechen- man kommt durch die Wiederholungen problemlos wieder rein, oder Passagen zu überspringen, da die Abschnitte zwar zusammenhängen, aber  nicht zwingend aufeinander aufbauen. Für den etwas fortgeschrittenen Leser…. Das ist mir alles bekannt, aber wie setze ich das um? Wer schubst mich vom Sofa, um meine Aktivitätsverordnung (Sport, Spazierengehen im Wald) bei Hamburger Schmuddelwetter auch tatsächlich umzusetzen? Wie aktiviere ich meine Steuerungsmechanismen, wenn die Wut mich übermannt? Nach der Lektüre des Buches weiß der Leser , wenn er die Übungen durchgeführt hat,  mehr über sich, er weiß im Idealfall, was gut und was nicht gut für ihn ist, aber  er weiß immer noch nicht, woher er den Antrieb nehmen soll, diese Erkenntnisse zu leben.
    Das Buch ist eine vergnügliche, übersichtliche Lektüre über das, was sein könnte, wenn man umsetzungsfreudiger wäre. Ich musste häufig an die guten Vorsätze am Silvesterabend denken, die oft schon am Neujahrstag verpufft sind, weil die Vorstellung, morgen sei ja auch noch ein Tag,  zu verlockend ist. Das Kapitel Umsetzen und Disziplin kommt in dem Buch entschieden zu kurz, dafür hätte ich mir Strategien gewünscht, denn gut auf sich zu  schauen ist zwar eine nötige Anweisung, die aber auch in Konsequenzen münden muss, wenn die Erkenntnisse erfolgreich gelebt werden sollen
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/schau-gut-auf-dich/

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Rezension: Kastanienjahre

Anja Baumheier – Kastanienjahre

  • Verlag: Wunderlich
  • Seitenzahl: 412
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Erzählt wird die Lebensgeschichte von Elise, deren Herz an zwei Orten zu Hause ist: In Paris, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt und in Peleroich, ein kleines, verschlafenes Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Der Roman umfasst einen Zeitraum von fast siebzig Jahren, die Zeit von der Gründung der DDR über den Mauerbau bis zur Nachwendezeit 2018. Geprägt ist das Leben von Elise von zwei Männern aus ihrer Jugendzeit,  -Henning, der Fels in der Brandung und Jacob, der Charmeur, der künstlerische Neigungen hat- und der Gemeinschaft und den Menschen in Peleroich. Wie schon bei dem ersten Roman der Autorin, Kranichland, werden Kindheit und Jugend in Zeitsprüngen erzählt und wechseln sich mit den aktuellen Geschehnissen von Elises heutigem Leben ab. Als Elise nach vielen Jahren in ihr geliebtes Heimatdorf zurückkehrt, holt sie die Vergangenheit wieder intensiv ein.
  • Rezension: Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet: ein ansprechendes Cover -passend zum Inhalt- eine hübsche Karte auf der Innenseite von der Lage Peleroichs, mit den wichtigsten Gebäuden, deren Bewohner und Nutzer im Buch eine Rolle spielen,  z.B. der Kastanienhof, benannt nach der Kastanie auf dem Dorfplatz die in der Geschichte von großer, symbolischer Bedeutung ist. Ergänzt wird die Karte durch eine kleine Legende und auf der folgenden Seite von einem Personenverzeichnis, das ich besonders wichtig fand, da durch die Zeitsprünge die Zuordnung der Namen zu den Charakteren erschwert ist. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, der Erzählstil ist eindrücklich und gefühlvoll. Der Leser kann sich gut in Elise mit ihren zwiespältigen Gefühlen hineinversetzen. Die DDR wird nicht klischeehaft  als böse abgeurteilt, sondern durch Personen und Ereignisse verständlich gemacht. Man spürt, wie eine funktionierende Dorfgemeinschaft prägen kann, man geht mit Elise auf Erinnerungsreise und erfährt neben der persönlichen Biografie viel über das tägliche Leben in der DDR, über Konsummangel, Bespitzelung und Fluchthelfer, Schwierigkeiten bei der Berufswahl, aber auch über Nachbarschaftshilfe  und Zusammenhalt. Insofern ist nicht nur die Lebensgeschichte der Hauptprotagonisten lesenswert, sondern auch das Stück Zeitgeschichte, in dem sich das Leben abspielt. Die Autorin baut recht geschickt einen hohen Spannungsbogen auf, der zunehmend rasanter wird und bis zum Schluss trägt: Der Leser muss wissen, wer hinter den mysteriösen Briefen  steckt, die Elise erhält, und wie die Andeutungen, die darin gemacht werden, gemeint sind. Auch wenn schon vor dem Buchende klar wird, wer dieser Unbekannte ist, lohnt es sich sehr, bis zum Ende zu lesen.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.rowohlt.de/hardcover/anja-baumheier-kastanienjahre.html

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Rezension: Der Raub der Himmlischen Tänzerin

Dietrich Schilling – Der Raub der Himmlischen Tänzerin. Ein Krimi aus Kambodscha

  • Verlag: Books on Demand
  • Seitenzahl: 271
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt und Rezension: Erzählungen, die immer im ähnlichen Milieu und im selben Umfeld spielen, sind beliebt: Krimis aus Mallorca, aus der Bretagne, Venedig und jetzt Kambodscha, denn der Autor liebt dieses Land und bezeichnet es als seine zweite Heimat. Folglich spielen alle seine Romane dort und nun also ein Kriminalroman.
    Es geht um einen Kunstraub und kriminelle Machenschaften von dubiosen Antiquitätenhändlern exemplarisch in Kambodscha, aber das lukrative kriminelle Geschäft ist weltweit verbreitet, oft auch unter Beteiligung offizieller Behörden, die von  dem einträglichen illegalen Geschäft profitieren. Der Leser spürt die emotionale Nähe des Autors zu den Menschen in den Ländern Südostasiens. Lokalkolorit und Detailwissen drängen sich deshalb manchmal in den Vordergrund des Krimis, sodass der Plot zuweilen in den Hintergrund gerät. Aber Liebhaber von Kambodscha kommen bestimmt voll auf ihre Kosten, wenn der Autor seine gut beobachteten Szenen schildert.
    Für den Nichtkenner sind die fremdländischen Namen manchmal verwirrend, da sie oft gehäuft auftreten, wie bei den Straßennamen, wenn ein Akteur eine Strecke zurücklegen muss, die man detailgenau beschrieben bekommt, ohne dass  die Erwähnung etwas zur Aufklärung beiträgt. Aber der Autor hat zumindest etwas vorgesorgt mit einem Personenverzeichnis, in dem man immer wieder nachschlagen kann. Das muss man anfangs öfter , aber wenn der Krimi Fahrt aufnimmt, ist man schon mit den  Hauptpersonen vertraut und  erlebt sie als eigenständige Persönlichkeiten, deren Charaktere differenziert und lebendig beschrieben werden.
    Die Handlung ist in sich geschlossen, zuweilen vorhersehbar, aber dennoch flott zu lesen. Krimiliebhaber kommen auf ihre Kosten: Die Geschichte ist  spannend und hat zum Ende noch einen Überraschungscoup bereit. Die  Dialoge der Personen sind authentisch, überraschenderweise gibt es keine professionellen Ermittler,  sondern einen Hobbydetektiv, der sich mit seiner Frau oft gewitzte Rededuelle liefert. Gerade diese Passagen machen dem Leser besonders Spaß, da man sich beide  Eheleute durch die (fiktiven)  Beobachtungen des Autors gut vorstellen kann.
    Fazit: Ein flott geschriebener Krimi, dessen Spannung durch geschickten Szenewechsel aufrechterhalten wird. Die Lebensumstände der Beteiligten sind sehr plastisch geschildert, da mag man über die schon erwähnte Detailverliebtheit getrost hinwegsehen und sich der fremdländischen, faszinierenden Kulisse hingeben. Angeregt nach dem Buch zu greifen wird der potentielle Leser auchdurch das filigrane Titelbild einer Apsara, einer Himmlischen Tänzerin, das von Stephan Zörnig gestaltet wurde.

Quelle des Bildes: https://www.bod.de/buchshop/der-raub-der-himmlischen-taenzerin-dietrich-schilling-9783749462872

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Rezension: Frieda

Dagmar Fohl  – Frieda

  • Verlag: Gmeiner
  • Seitenzahl: 112
  • Teil einer Reihe?: Nein
  • Inhalt: Dagmar Fohl hat einen Roman über das Leben der Malerin Elfriede Lohse-Wächtler geschrieben, geboren am 4.12.1899 in Dresden. Der Roman beruht auf Tatsachen, alle handelnden Personen haben tatsächlich gelebt. Brieffragmente und kursiv gedruckte Passagen in dem Buch sind Originalzitate, der andere Text basiert auf historischen Quellen und Sekundärtexten. Die Autorin zeichnet das Leben der Malerin nach, vom selbstbewussten  jungen Mädchen, das mit 16 Jahren sein Elternhaus verlässt um in Dresden Kunst zu studieren und für seine Kunst zu leben bis zum tragischen Ende. Dazwischen liegen wilde Jahre, in denen sie Künstlerfreundschaften pflegt, unter anderem mit Otto Dix und Oskar Kokoschka und in denen sie den Maler und Opernsänger Kurt Lohse kennen- und lieben lernt. Es folgen schicksalhafte Jahre mit künstlerischem Durchbruch, aber auch mit langen Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken und einer zerstörerischen Hörigkeit zu ihrem Ehemann Lohse. 1940 wird die Künstlerin in der Tötungsanstalt “Pirna-Sonnenstein“ von den Nationalsozialisten durch Vergasung ermordet.
  • Rezension: Ich muss zugeben, ich hatte noch nie von der Malerin Elfriede Lohse-Wächtler gehört. Darum hatte es mich so gereizt, über sie zu lesen, angesprochen durch das berührende Titelbild, das eine eigenwillige und sensible Frau zeigt und durch den Klappentext, der davon spricht, dass es sich um einen ergreifenden Roman handelt, der die Künstlerin eindrücklich nachvollziehbar macht. Beides erwies sich als zutreffend: Von der ersten Seite an geriet ich in einen Strudel- mitten hinein in das Leben und Erleben der Künstlerin. Was für ein literarischer und menschlich geprägter Genuss an den Gedanken und Empfindungen teilhaben zu dürfen. Schonungslos und hellsichtig analysiert Frieda, wie sie sich nennt, ihre Besessenheit und Liebe zu Kurt Lohse, ihrem Ehemann, der sich in einen brutalen Egomanen verwandelt und dem sie trotzdem hörig ist. Es folgen quälende Passagen, in denen Frieda genauso hellsichtig ihre Krankheitszustände, ihr Verhältnis zu den Eltern und die verbrecherischen Machenschaften der Nazis durchlebt. Die Autorin berührt den Leser aufs Tiefste, wenn sie psychologisch fundiert die psychische Verfassung ihrer Protagonisten nachzeichnet, ein Leben voller Qual und Leidenschaft, und gibt auch Einblicke in die gesellschaftlichen und historischen Verhältnisse. Eine der höchst beeindruckenden  Biografien, die ich in letzter Zeit gelesen habe, auch wegen des raffinierten Aufbaus.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.gmeiner-verlag.de/programm/titel/2026-frieda.html?mobile=inline

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Rezension: Die Schwarzkünstlerin

Roman Rausch – Die Schwarzkünstlerin

  • Verlag: Rowohlt
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 465
  • Inhalt: Der Faustroman, so der Untertitel, spielt im 16. Jahrhundert und behandelt neben der Geschichte der jungen Novizin Margarete auch die Lebensumstände der damaligen Zeit, den Beginn der Neuzeit. Hier wird die Geschichte des Doktor Faustus einmal anders erzählt, nämlich ausschließlich aus  der Perspektive von Gretchen/ Margarete. Sie wird von ihren Eltern in ein Kloster gesperrt, weil sie für die damalige Zeit zu neugierig und wissbegierig ist, und genau das wird ihr in ihrem sehr bewegten Leben zum Verhängnis. Sie bricht aus dem Kloster aus, verkleidet sich als Junge und beginnt ein Studium in Heidelberg. Dort lernt sie den zwielichtigen Alchimisten Georg Helmstetter  kennen und ist so fasziniert von ihm, dass sie sich ihm anschließt. Sie lernt von ihm die Kunst der Alchimie und unterweist ihn im Gegenzug in der Astronomie. Zusammen schlagen sie sich als Dr. Faust und Faust, später Doktor Faustus, durch die Lande als Zauberkünstler. Als ihr Zweifel kommen an der Aufrichtigkeit des Geliebten und sie sich von ihm trennen will, bindet er sie mit einem Heiratsantrag an sich, aber der Sog des Zweifels und der Weg ins Verderben werden immer mächtiger.
  • Rezension: Zweifelsohne hat der Autor akribisch recherchiert und genug Hintergrundwissen gesammelt, um einen lebendigen historischen Roman zu präsentieren. Die behandelte Epoche dient nicht nur als Kulisse, sondern die damaligen Eigentümlichkeiten werden herausgestellt. Der Autor lässt seine Figuren im ständigen Kontakt zum historischen Geschehen agieren, (Luther, Kirchenspaltung, Aufbruch in die Neuzeit, Umbruch der Lebensentwürfe, Bauernaufstand) und füllt die Zeit mit Geschichten seiner Protagonisten, mit Liebe, Verrat, Macht, Betrug, Rache, Hass aber auch Hoffnung und Freude. Die Geschichte ist vielschichtig und zuweilen spannend, stilistisch leichtgriffig und inhaltlich nachvollziehbar. Alle, die gerne historische Romane lesen, sind mit diesem Buch gut bedient. Ich persönlich finde die Figur der Margarete überzeichnet. Auf mich wirken ihre  Überlegungen und Handlungsweisen, beziehungsweise der Bericht darüber eher eitel und zuweilen unglaubwürdig. Sie ist blutjung als sie ins Kloster gesperrt wird, also in einem Alter in dem man normalerweise der Liebe und Fürsorge der Eltern bedarf um stark und selbstbewusst zu werden, auch wenn man nicht den Maßstab der heutigen Behütung anlegen kann. Mädchen wurden in jener Zeit nicht gefördert , aber Margarete überwindet alle Hürden aus eigener Kraft. Niemand entlarvt sie, als sie in Jungenkleidung studiert, immer entkommt sie allen Nachstellungen unbeschadet, alle anderen sind meistens verblendet oder unwissend- das ist mir zu viel Fiktion. Aber ein historischer Roman will ja auch nicht authentische Persönlichkeiten schildern, sondern eher fiktionale Prozesse. Das ist hier gelungen. Und einen Satz findet man in dem Buch, der auch auf die Jetztzeit passt: Das mächtigste Gift des Teufels ist die Eitelkeit. Man braucht sich nur Trump und andere Politiker anzusehen und schon ist die Gültigkeit dieser Aussage belegt.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/roman-rausch-die-schwarzkuenstlerin.html

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Rezension: small talk

Magda Bleckmann – Smalltalk. Wie introvertierte Menschen ihre Stärken erkennen  und leichter ins Gespräch kommen

  • Verlag: Goldegg
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 233
  • Inhalt: Es handelt sich um ein sehr praxisorientiertes Sachbuch mit dem Ziel, dass die Leser die hohe Kunst des Smalltalks erlernen oder ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten verfeinern. Die Autorin hält Smalltalk für den Türöffner schlechthin, in jeder Beziehung. Die Gliederung der Thesen orientiert sich an den Buchstaben des Alphabets und ist in bekömmliche kleine Häppchen unterteilt. Beispiel Buchstabe D: Dauerredner Besserwisser und Langweiler oder das Ende jeder guten Unterhaltung. Unterpunkte: Die Situation: nervig! So tickt der Dauerredner. Was also tun? Lange Rede kurzer Sinn. Dann erhält der Leser tatsächlich eine Handvoll wirkungsvoll erscheinender Lösungen. So geht es weiter anhand der Buchstaben bis zum Z, den für mich fast wichtigsten Buchstaben, der das weite Feld des Zuhörens behandelt. Neben nachvollziehbaren Strategien wie man selbstsicherer und unterhaltsamer werden kann gibt es auch Warnungen vor unmöglichen Eingangssätzen und Rankings über absolute  DON`TS.
  • Rezension: Nach der ausführlichen Anleitung wie man mit Smalltalk punkten kann, macht die Autorin ein bisschen Werbung für ihre Netzwerkseminare unter der Überschrift: Und wie geht es weiter? Tipps, wie man erfolgreich ein Netzwerk knüpft. Grundlage dafür ist natürlich (laut Aussage der Autorin) das erfolgreiche Umsetzen ihres Programms und die Beherzigung aller ihrer Tipps. „Sie sind jetzt bestens vorbereitet und können sich jederzeit und mit jedem locker unterhalten.“ Das wirkt ein wenig penetrant. Offensichtlich hat sie ihre Empfehlungen zur Selbstwertsteigerung und Selbstsicherheitszuwachs  selber  ein wenig zu stark internalisiert.
    Das Buch ist leicht lesbar, kurzweilig  und gut verständlich. Die Autorin hat es nicht nötig, den Text mit speziellen, meist unbekannten Fachausdrücken künstlich aufzuwerten. Das ist gut. Sehr gut finde ich  (wie bereits erwähnt)  den Abschnitt über aktives Zuhören. Ich denke, gerade diese Kompetenz sollte wieder mehr in den Fokus gerückt werden und dazu liefert die Autorin einen gut fundierten Beitrag, der  auf den Thesen von Carl Rogers, dem Begründer der Gesprächstheorie in der medizinischen Psychologie, beruht. Dazu gibt es  praktische Anweisungen, wie man verbal und nonverbal signalisieren kann, dass man aktiv zuhört. Das ist nicht nur für Smalltalk wirkungsvoll, sondern sollte auch in der täglichen Kommunikation wieder reaktiviert werden, da es sich um ein wirksames Mittel zum respektvollen Umgang miteinander handelt.
    Insgesamt denke ich, dass der Ratgeber aufschluss- und hilfreich ist für Menschen, die eigentlich über Sozialkompetenz verfügen und nur ein paar Anregungen brauchen, wie man kritische Kennlernsituationen geschliffen meistern kann, wie man im Berufsleben besser klarkommt, wenn man oft in Situationen geworfen wird, in denen man zu viele Menschen und Komponenten nicht kennt. Nicht erfolgreicher beim Smalltalk werden durch diesen Ratgeber introvertierte Menschen, die im Untertitel erwähnt werden, denn diese Persönlichkeiten brauchen andere Stabilisierungshilfen als die Anweisungen: Mach mal, probier mal….Auch Menschen, die gerne individuell und eigenständig denken,  werden keine vorgeformten Eröffnungssätze wiederholen, nur um die von der Autorin abgelehnten Sätze über Wetter, Hobbies und Krankheiten zu entgehen. Wenn nur alles so leicht wäre, wie  Frau  Bleckmann uns weißmachen  möchte, bräuchten wir auch keine Ratgeber. Sie sagt plötzlich, mitten im Anweisungstext : Es ist alles eine Frage der Gewohnheit…. Und falls Sie einen Coach dafür brauchen: Ich stehe zur Verfügung! Ein bisschen peinlich .
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/small-talk/

 

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