Zorro

Über Zorro

Ich heiße Angelika Zörnig, bin Jahrgang 1948 und liebe Bücher und "Mon Cherie". Diese Kombination ist unschlagbar, besonders wenn es sich um Biografien, Familienromane, Psychodramen, Kurzgeschichten, Novellen und Lyrik handelt. Ansonsten gehe ich leidenschaftlich gern ins Theater und ins Kino oder beschäftige mich mit Märchenerzählen. Ich arbeite als Honorarkraft an einer Hamburger Grundschule. In dieser schönsten Stadt der Welt bin ich auch geboren und habe den größten Teil meines Lebens dort verbracht. Die Rezensionen werden von Stephi abgetippt.

Rezension: Die Schwarzkünstlerin

Roman Rausch – Die Schwarzkünstlerin

  • Verlag: Rowohlt
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 465
  • Inhalt: Der Faustroman, so der Untertitel, spielt im 16. Jahrhundert und behandelt neben der Geschichte der jungen Novizin Margarete auch die Lebensumstände der damaligen Zeit, den Beginn der Neuzeit. Hier wird die Geschichte des Doktor Faustus einmal anders erzählt, nämlich ausschließlich aus  der Perspektive von Gretchen/ Margarete. Sie wird von ihren Eltern in ein Kloster gesperrt, weil sie für die damalige Zeit zu neugierig und wissbegierig ist, und genau das wird ihr in ihrem sehr bewegten Leben zum Verhängnis. Sie bricht aus dem Kloster aus, verkleidet sich als Junge und beginnt ein Studium in Heidelberg. Dort lernt sie den zwielichtigen Alchimisten Georg Helmstetter  kennen und ist so fasziniert von ihm, dass sie sich ihm anschließt. Sie lernt von ihm die Kunst der Alchimie und unterweist ihn im Gegenzug in der Astronomie. Zusammen schlagen sie sich als Dr. Faust und Faust, später Doktor Faustus, durch die Lande als Zauberkünstler. Als ihr Zweifel kommen an der Aufrichtigkeit des Geliebten und sie sich von ihm trennen will, bindet er sie mit einem Heiratsantrag an sich, aber der Sog des Zweifels und der Weg ins Verderben werden immer mächtiger.
  • Rezension: Zweifelsohne hat der Autor akribisch recherchiert und genug Hintergrundwissen gesammelt, um einen lebendigen historischen Roman zu präsentieren. Die behandelte Epoche dient nicht nur als Kulisse, sondern die damaligen Eigentümlichkeiten werden herausgestellt. Der Autor lässt seine Figuren im ständigen Kontakt zum historischen Geschehen agieren, (Luther, Kirchenspaltung, Aufbruch in die Neuzeit, Umbruch der Lebensentwürfe, Bauernaufstand) und füllt die Zeit mit Geschichten seiner Protagonisten, mit Liebe, Verrat, Macht, Betrug, Rache, Hass aber auch Hoffnung und Freude. Die Geschichte ist vielschichtig und zuweilen spannend, stilistisch leichtgriffig und inhaltlich nachvollziehbar. Alle, die gerne historische Romane lesen, sind mit diesem Buch gut bedient. Ich persönlich finde die Figur der Margarete überzeichnet. Auf mich wirken ihre  Überlegungen und Handlungsweisen, beziehungsweise der Bericht darüber eher eitel und zuweilen unglaubwürdig. Sie ist blutjung als sie ins Kloster gesperrt wird, also in einem Alter in dem man normalerweise der Liebe und Fürsorge der Eltern bedarf um stark und selbstbewusst zu werden, auch wenn man nicht den Maßstab der heutigen Behütung anlegen kann. Mädchen wurden in jener Zeit nicht gefördert , aber Margarete überwindet alle Hürden aus eigener Kraft. Niemand entlarvt sie, als sie in Jungenkleidung studiert, immer entkommt sie allen Nachstellungen unbeschadet, alle anderen sind meistens verblendet oder unwissend- das ist mir zu viel Fiktion. Aber ein historischer Roman will ja auch nicht authentische Persönlichkeiten schildern, sondern eher fiktionale Prozesse. Das ist hier gelungen. Und einen Satz findet man in dem Buch, der auch auf die Jetztzeit passt: Das mächtigste Gift des Teufels ist die Eitelkeit. Man braucht sich nur Trump und andere Politiker anzusehen und schon ist die Gültigkeit dieser Aussage belegt.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/roman-rausch-die-schwarzkuenstlerin.html

ICH HABE DEN TITEL ALS REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT BEKOMMEN.

Flattr this!

Rezension: small talk

Magda Bleckmann – Smalltalk. Wie introvertierte Menschen ihre Stärken erkennen  und leichter ins Gespräch kommen

  • Verlag: Goldegg
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 233
  • Inhalt: Es handelt sich um ein sehr praxisorientiertes Sachbuch mit dem Ziel, dass die Leser die hohe Kunst des Smalltalks erlernen oder ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten verfeinern. Die Autorin hält Smalltalk für den Türöffner schlechthin, in jeder Beziehung. Die Gliederung der Thesen orientiert sich an den Buchstaben des Alphabets und ist in bekömmliche kleine Häppchen unterteilt. Beispiel Buchstabe D: Dauerredner Besserwisser und Langweiler oder das Ende jeder guten Unterhaltung. Unterpunkte: Die Situation: nervig! So tickt der Dauerredner. Was also tun? Lange Rede kurzer Sinn. Dann erhält der Leser tatsächlich eine Handvoll wirkungsvoll erscheinender Lösungen. So geht es weiter anhand der Buchstaben bis zum Z, den für mich fast wichtigsten Buchstaben, der das weite Feld des Zuhörens behandelt. Neben nachvollziehbaren Strategien wie man selbstsicherer und unterhaltsamer werden kann gibt es auch Warnungen vor unmöglichen Eingangssätzen und Rankings über absolute  DON`TS.
  • Rezension: Nach der ausführlichen Anleitung wie man mit Smalltalk punkten kann, macht die Autorin ein bisschen Werbung für ihre Netzwerkseminare unter der Überschrift: Und wie geht es weiter? Tipps, wie man erfolgreich ein Netzwerk knüpft. Grundlage dafür ist natürlich (laut Aussage der Autorin) das erfolgreiche Umsetzen ihres Programms und die Beherzigung aller ihrer Tipps. „Sie sind jetzt bestens vorbereitet und können sich jederzeit und mit jedem locker unterhalten.“ Das wirkt ein wenig penetrant. Offensichtlich hat sie ihre Empfehlungen zur Selbstwertsteigerung und Selbstsicherheitszuwachs  selber  ein wenig zu stark internalisiert.
    Das Buch ist leicht lesbar, kurzweilig  und gut verständlich. Die Autorin hat es nicht nötig, den Text mit speziellen, meist unbekannten Fachausdrücken künstlich aufzuwerten. Das ist gut. Sehr gut finde ich  (wie bereits erwähnt)  den Abschnitt über aktives Zuhören. Ich denke, gerade diese Kompetenz sollte wieder mehr in den Fokus gerückt werden und dazu liefert die Autorin einen gut fundierten Beitrag, der  auf den Thesen von Carl Rogers, dem Begründer der Gesprächstheorie in der medizinischen Psychologie, beruht. Dazu gibt es  praktische Anweisungen, wie man verbal und nonverbal signalisieren kann, dass man aktiv zuhört. Das ist nicht nur für Smalltalk wirkungsvoll, sondern sollte auch in der täglichen Kommunikation wieder reaktiviert werden, da es sich um ein wirksames Mittel zum respektvollen Umgang miteinander handelt.
    Insgesamt denke ich, dass der Ratgeber aufschluss- und hilfreich ist für Menschen, die eigentlich über Sozialkompetenz verfügen und nur ein paar Anregungen brauchen, wie man kritische Kennlernsituationen geschliffen meistern kann, wie man im Berufsleben besser klarkommt, wenn man oft in Situationen geworfen wird, in denen man zu viele Menschen und Komponenten nicht kennt. Nicht erfolgreicher beim Smalltalk werden durch diesen Ratgeber introvertierte Menschen, die im Untertitel erwähnt werden, denn diese Persönlichkeiten brauchen andere Stabilisierungshilfen als die Anweisungen: Mach mal, probier mal….Auch Menschen, die gerne individuell und eigenständig denken,  werden keine vorgeformten Eröffnungssätze wiederholen, nur um die von der Autorin abgelehnten Sätze über Wetter, Hobbies und Krankheiten zu entgehen. Wenn nur alles so leicht wäre, wie  Frau  Bleckmann uns weißmachen  möchte, bräuchten wir auch keine Ratgeber. Sie sagt plötzlich, mitten im Anweisungstext : Es ist alles eine Frage der Gewohnheit…. Und falls Sie einen Coach dafür brauchen: Ich stehe zur Verfügung! Ein bisschen peinlich .
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/small-talk/

 

ICH HABE DEN TITEL ALS REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT BEKOMMEN

Flattr this!

Rezension: Kaiser, Krieger, Heldinnen

BetinaBalak – Kaiser,Krieger, Heldinnen. Exkursionen die Gegenwart und Zukunft

  • Verlag: Haymon
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 192
  • Inhalt: Das Buch beschäftigt sich mit der spannenden Frage, wo und wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt und wo das Private zum Politischen wird. Am Ende des  ersten  Weltkrieges  wird in Österreich die Republik ausgerufen und es beginnt1918 ein neues Zeitalter für Österreich, aber auch für ganz Europa. Das Buch ist in sechs Essays unterteilt, von denen jeder seinen eigenen Schwerpunkt hat. Den größten Raum nimmt der Essay: Heldinnen ein, in dem sie Autorin sehr präzise und gut durchdacht über den Umsturz der Rollenbilder schreibt und Spannendes berichtet, oft mit autobiografischen Elementen angereichert. Ein starker Text, der sich mit verschiedenen Frauenbiografien  beschäftigt- bekannte oder weniger bekannte. Weitere Episoden berichten über den Habsburger Mythos, Spione in der Steiermark und Trachtentraditionen.
  • Rezension: Unterhaltsam, gut recherchiert und klug argumentiert – der Essayband ist höchst empfehlenswert und sollte gerade heute gelesen werden, angesichts von „Me too“ Debatte – damals schon ein Thema mit anderem Titel und anderer Herangehensweise-  und der zunehmenden Spaßkultur, die auch nicht haltmacht  vor Events, die die Kriegserfahrungen nachstellen. Es geht in dem Buch nicht nur um einhundert Jahre österreichische Frauengeschichte, aber gerade dieser Teil ist für mich der spannendste und stärkste. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang auch die Aussage der Autorin, dass die jungen Frauen der Gegenwart überzeugt sind, dass sie niemals Selbstzweifel gehabt hätten oder sich hätten etwas gefallen lassen. Wie mühevoll die Wege geebnet wurden, auf denen sie heute schreiten, machen sie sich oft nicht klar oder es ist kaum vorstellbar für sie. Mutig fand ich auch die Aussage der Autorin, dass sie bei der geschilderten Anfangsszene  selber unsicher über ihre eigene Einstellung wurde: Der Bus, in dem sie sitzt,  fährt nicht los, die Fahrerin versucht alles, doch der Motor streikt. Die Fahrgäste bestätigen sich gegenseitig, ( Es ist das Jahr 1992!, das erste Jahr, in dem Frauen als Busfahrerinnen zugelassen wurden)  dass Frauen eben doch nicht… usw. Auch die Autorin verliert sich kurz in diese Gedanken , registriert es und macht es öffentlich. Das finde ich großartig. Ebenso die scharfsichtige  Analyse, dass auch die Frauen der Vorderfront, die ihre emanzipatorischen Wünsche und Ziele verfolgen, einen blinden Fleck   haben, was die Arbeitsverteilung anbelangt. Auch sie kommen nicht aus, ohne aus dem kostengünstigen Pool an Dienstleisterinnen aus ärmeren Nationen zu rekrutieren, um Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen zu gewährleisten.
    Fazit: Ein überaus unterhaltsames Geschichtsbuch, das noch gewonnen hätte, wenn die zahlreichen englischen Zitate auch übersetzt und die sehr speziellen Fachausdrücke in einem Glossar  erläutert worden wären
  • Bewertung: bis 

Quelle des Bildes:https://www.haymonverlag.at/buecher/3424/kaiser-krieger-heldinnen/

 

ICH HABE DEN TITEL ALS REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT BEKOMMEN

Flattr this!

Rezension: Komm doch mal runter

Evelyn Summhammer – Komm doch mal runter!

  • Verlag: Goldegg
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 220
  • Inhalt: Das Motto dieses Buches lautet: „Sei deines eigenen Glückes Schmied.“ Wie? In diesem konkreten Fall durch Erkenntnis, woher unsere negativen Gefühle kommen und welchen Stellenwert sie für uns haben. (Teil I ) und durch Anwendung der konkreten Werkzeuge, die die Autorin ihren Lesern im zweiten Teil an die Hand gibt. Zunächst werden Ärger, Wut und Aggression mit vielen Fallbeispielen verdeutlicht und analysiert .Der Leser kann sich dabei mit Fragebögen selbst auf die Spur kommen. Dann zeigt Summhammer  Lösungswege mit vielen praktischen Übungen und Sensibilisierungsratschlägen für Erkenntnisse in der Selbstwahrnehmung. Das Buch ist kein psychologisches Fachbuch für den Umgang mit aggressiven, wütenden und ärgerlichen Menschen, sondern ein Praxisbuch für die Alltagsbewältigung  mit eben jenen Menschen und den eigenen negativen Gefühlen.
  • Rezension: Zuerst dachte ich, das sei wieder so ein populärwissenschaftliches Buch, das auf eine angesagten Trend aufspringt: Selbstbespiegelung, zurück zu Gelassenheit, Achtsamkeit, Verhaltensanalyse und Verurteilung von Aggression. Aber ich wurde positiv überrascht: Die Sprache ist klar, verständlich und trotzdem wissenschaftlich fundiert. Die Autorin entwickelt eigene Gedanken, Theorien und Erkenntnisse und bereitet sie für Otto Normalverbraucher (im positiven Sinne) auf. Auch jemand, der sich vorher nicht allzu viel mit der Problematik der Aggression beschäftigt hat, aber sich für die Thematik interessiert kommt voll auf seine Kosten. Hier wird ihm kein Fachchinesisch um die Ohren, beziehungsweise um die Augen gehauen, sondern er bekommt praktische Lebenshilfe im verständlichen Vokabular. Er erhält die Empfehlung: Raus aus der Bewertung von Situationen-das ist negativ, sondern rein ins Glück, und erfährt auch praktisch, wie das umzusetzen ist. Zentralfrage dabei ist: Welches Verhalten bringt mich dem Ziel näher? Lösungsorientierte Texte und Fragebögen tragen zur Selbsterkenntnis bei. Besonders interessant war für mich die Unterscheidung von Aggressivität und Aggression- das wird im Alltag ja oft synonym verwendet. Tatsächlich bezeichnet das erste, die innere Bereitschaft streitsüchtiges, feindseliges Verhalten aus zu führen, das  zweite  ist das Angriffsverhalten selbst, das sich in verbalen und/oder körperlichen Angriffen zeigen kann.
    Etwas zu blauäugig erscheinen mir die ständigen Versicherungen, dass sich die innere Einstellung so –wie beschrieben- ganz schnell ändern wird, wenn man nur die Ratschläge berücksichtigt und nach der oben erwähnten Maxime  handelt.Immerhin erwähnt die Autorin ja auch selbst, dass viele Verhaltensweisen auf Vorerfahrungen beruhen, von denen ich meine,  dass sie sich nicht nur durch kognitive Erkenntnis überwinden lassen. Positiv ist noch zu erwähnen, dass die Autorin auch die gewinnbringende Seite der Aggression beleuchtet wird.
    Fazit:  Ein Lebensberater mit viel Umsetzungspotential
  • Bewertung: bis 

Quelle des Bildes: https://www.goldegg-verlag.com/titel/komm-doch-mal-runter/

 

ICH HABE DEN TITEL ALS REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT BEKOMMEN

Flattr this!

Rezension: DemenZen und die Kunst des Vergessens.

Andrea Christoph-Gaugusch –  DemenZen und die Kunst des Vergessens. Fünf Schritte für mehr Gelassenheit im Umgang mit Demenz

  • Verlag: Carl Auer
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 169
  • Inhalt:Im Klappentext wird betont, dass das vorliegende Buch eines der ganz wenigen ist, die eine andere Perspektive auf die als Demenz etikettierten Phänomene werfen, Ratschläge geben und Anleitungen zur Verfügung stellen., wie mit ihnen in einer alternativen Weise umgegangen werden kann. Das macht neugierig, zumal die Autorin verspricht, dass Vergessen keine Katastrophe sein muss und Übungen in Gelassenheit gegenüber dem Vergessen in Aussicht stellt. Und dann noch die verlockenden Aussage, die Demenz habe auch liebevolle und zärtliche Seiten, gepaart mit der Frage, wie man „geistreich“  dement werden kann. Die Autorin versucht das in fünf Schritten zu beantworten, die zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Demenz führen sollen, und zwar sowohl bei den Betroffenen als auch bei Angehörigen. Lösungsorientiert und praxisnah werden Fakten präsentiert, die die Demenz vom Typ Alzheimer betreffen, Einstellungen und Konsequenzen dazu beleuchtet. Der Leser wird angeregt, das Buch zum Lesen, Denken und Hineinschreiben zu benutzen.
  • Rezension: Tatsächlich wird der Leser detailreich und umfassend über die Aspekte der Demenz aufgeklärt. Die Hoffnung der Autorin wird sehr deutlich:  Sie möchte dazu beitragen,  die Stigmatisierung der Diagnose Demenz aufzulösen. Demenz wird aus einem anderen Blickwinkel als normalerweise betrachtet. Der Schwerpunkt wird auf die Empfehlung gelegt: Was kann ich -noch- gut, wie orientiere ich mich und wie kann die negative, schambesetzte Diagnose Demenz, also das Nachlassen der geistigen Kräfte, die Ressourcen  der Betroffenen stärken, statt dass mit dem Zeigefinger immer nur auf die Defizite hingewiesen wird. Tatsächlich ist dieser Ratgeber wohl neuartig, auch weil flapsig und leicht über ein schweres Thema berichtet wird. Neuorientierung und Umdenken werden zwar angeboten, aber wer jemals mit dementen Angehörigen zu tun hatte oder hat, muss die Ratschläge als nicht umsetzbar oder hilfreich empfinden, basieren sie doch darauf, der Erkrankte könne noch so viel selbst entscheiden. Zitat: Ob eine Demenz schwer oder leicht ist, entscheidet man im Idealfall selbst. Man sollte seinen Zustand selbst bewerten.“ Ja, wie das denn, das gilt doch wohl nur für leichte  oder beginnende Demenz! Manchmal übertreibt die Autorin in der Absicht, dem Thema eine Leichtigkeit abzugewinnen, die es nicht hat. Das verstört und schafft Distanzen. Beispiel: Im Stadium der schweren Demenz, in dem sich völlige Hilflosigkeit und häufig Bettlägerigkeit sowie Harn- und Stuhlinkontinenz einstellen, besteht Versorgungsbedürftigkeit rund um die Uhr.Das hört sich laut der Autorin nicht sehr “ prickelnd“ an, man kann sich aber als Kompensation daran erfreuen, dass man in der Regel schon die 80 erreicht hat. Das ist doch mal was!Insgesamt ein spannender, innovativer Ansatz aber mit wenig Alltagstauglichkeit. Der Aufbau des Buches ist klar gegliedert, übersichtlich und mit wiederkehrenden Symbolen versehen, die zum Merken oder Hineinschreiben auffordern. Eher abschreckend sind die handgezeichneten Illustrationen in Comicform und mit gruseligen Gesichtern.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/demenzen-und-die-kunst-des-vergessens/

Flattr this!

Rezension: Der emotionale Rucksack

Vivian Dittmar –  Der emotionale Rucksack. Wie wir mit ungesunden Gefühlen aufräumen

  • Verlag: kailash
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 278
  • Inhalt: Jeder von uns schleppt einen emotionalen Rucksack voller Ballast mit sich herum. Darin eingesackt sind Erfahrungen, Erlebnisse und Emotionen aus der Vergangenheit, die wir seit unserer Kindheit darin speichern. Die belastenden Gefühle möchte man aber lieber loswerden, weil sie oft unverarbeitet sind und uns in bestimmten,  unerwarteten Situationen überrollen und uns zu unangemessenen Reaktionen verleiten. Wir geraten aus der Fassung, ohne zu wissen warum. Die Autorin hat dazu einen Ratgeber geschrieben in leicht verständlichem Schreibstil. Sie rät uns zu einem neuen heilsamen Umgang mit dem emotionalen Rucksack und erklärt, dass das emotionale Gepäck kein überflüssiger Ballast ist,  sondern voller Schätze steckt. Um das zu entdecken, brauchen wir emotionale Hygiene, die durch die Technik der bewussten Entladung -ein Gesprächsformat- erreicht werden soll. Die inhaltliche Trennung von Gefühl und Emotionen spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Ratgeber gliedert sich in drei Teile: Im ersten wird das emotionale Gepäck  beleuchtet, im zweiten Möglichkeiten zum bewussten Umgang mit den Altlasten skizziert und im dritten  werden Anleitungen zur erfolgreichen  emotionalen Hygiene vorgestellt. Es folgt ein Anhang mit Schritt für Schritt Anleitung zur Erarbeitung der Praxis der bewussten Entladung und ein Übungsverzeichnis.
  • Rezension: Die Autorin gibt sich große Mühe, dem Leser ihre Überzeugung und Gesundungsstrategien zu erläutern. Sie tut das mit vielen persönlichen Beispielen und in einer eher schlichten Sprache. Und sie tut das für mein Gefühl sehr redundant. Immer wieder geht es um Entladung, also Gesprächsführung, und emotionale Hygiene, egal wie das Kapitel überschrieben ist. Sicher ist das Buch  für Anfänger in Sachen Psychologie leicht verständlich und –insofern man ständige Wiederholungen mag- hilfreich. Für Fortgeschrittene bietet der Ratgeber keine neuen Erkenntnisse und ist eher etwas einschläfernd, dazu mit vielen Allgemeinplätzen angereichert.
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://www.randomhouse.de/Paperback/Der-emotionale-Rucksack/Vivian-Dittmar/Kailash/e525997.rhd

Flattr this!

Rezension: Lehrjahre

Hartmut Schustereit – Lehrjahre. Über allgemeine  Wehrpflicht und individuelles Studium zu Olims Zeiten

  • Verlag: Frieling-Verlag Berlin
  • Teil einer Reihe: Nein
  • Seitenzahl: 184
  • Inhalt: Der Autor schildert seine Beweggründe, ein sogenanntes „gebundenes Leben“ zu führen, also in einer Armee zu dienen und seiner Wehrpflicht nachzukommen.  Das im Untertitel erwähnte zu Olims Zeiten bezieht sich nicht auf eine reale Person, sondern bedeutet so viel wie: vor langer Zeit, gebildet als scherzhafte Redensart aus dem lateinische Wort für „einst“ nämlich „olim“.Zur Zeit des kalten Kriege fühlt sich Hartmut Schustereit  verpflichtet , seine positive Grundhaltung zum Staat durch Mitarbeit und Übernahme von Verantwortung  unter Beweis zu stellen. Er dient. Während seines Wehrdienstes sammelt er viele hilfreiche Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen, was ihm während seiner Studienjahre, die im zweiten Teil des Buches ausführlich geschildert werden, zu Gute Kommt.
  • Rezension: Wer gerne Militärdienst leistet, weil das für ihn keine verlorene Zeit ist, wer die „echte Kameradschaft“ der Eingezogenen schätzt, wer Wert darauf legt , zu erfahren wie es ist, wenn man sich auf jemanden unbedingt verlassen kann, so dem Autor geschehen während der Absolvierung der  Wehrpflicht, für den ist das Buch sicher wohltuend. Ich habe andere Berichte gehört von Männern, die zum Bund mussten und eher unter Schikanen und Willkür zu leiden hatten  und nicht mit Respekt und Anstand behandelt wurden.Stolz präsentiert sich der Autor auf Seite 48 in Bundeswehruniform und mit stechendem Blick- hat er es doch zum Vorgesetzten  mit Disziplinargewalt gebracht. Der anschließende Teil mit seinem Bericht  über das Leben in akademischer Freiheit strotzt genauso von  Selbstbespiegelung und Eitelkeit. Ich finde das Buch schlichtweg überflüssig
  • Bewertung: 

Quelle des Bildes: https://frieling.de/Autoren/Schustereit,-Hartmut

Flattr this!